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Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie berichteten über die spektakulären Fälle bezüglich angefaulten Holzbalkendecken mit der Konsequenz, dass Wohnungen evakuiert werden mussten. Sicherlich werden die in diesem Fall zugezogenen Experten, die Ursachen untersucht haben und eine richtige Entscheidung getroffen haben.
Vorgenanntes ist jedoch nicht grundsätzlich ein Problem von Holzdeckenkonstruktionen. Holzdeckenkonstruktionen sind seit Hunderten von Jahren bewährt und in ihrem Bestand nicht gefährdet. Aus meiner Erfahrung ist dies ist leider kein Einzelfall. Es gibt viele gleichgelagerte Fälle, die jedoch in der Größenordnung meistens nur Einfamilienhäuser und einzelne Räume betreffen. Es ist aus meiner Erfahrung eine Erscheinung der aktuellen Modernisierungswelle. Altbauten haben eine "NATÜRLICHE" Bauphysik. Feuchtigkeitszirkulation konnte sich an baulichen Kondensat-Flächen (z.B. einfach verglaste Fenster) ablagern.
Sie konnten natürlich zirkulieren durch teilweise undichte Fenster über die Zirkulation der Ofenheizungen und auch über das Benutzerverhalten d.h. größere Luftbewegungen bei Mehrpersonenbewohnung innerhalb der Räume. Durch die Modernisierungswelle absolut dichte Fenster, Isolierglasscheiben, Wegfall der Ofenheizung, Einbau von Warmluftheizungen, gegebenenfalls auch noch Dämmung der Fensteranschlussfassaden entfällt diese "NATÜRLICHE" Bauphysik. Die durch die Bewohner im Raumklima entstehende Feuchtigkeit (bis zu 7 Liter in 24h pro Person) muss sich neue bauphysikalische Wege suchen. Bei der Sanierung der vorgenannten Bauteile Fenster, Heizung etc. wurde nicht zu Ende saniert und die Geschoßdecken- und Wandanschlüsse sind in den, meist mir bekannten, Schadensfällen dann nicht mit Dampfsperren abgedichtet und abgeklebt worden. Auch nicht die Wandanschlüsse zu den Holzbalken zum Mauerwerk hin. Die Innenluft hat sich dann neue Wärmebrücken gesucht und kühlt sich zum Beispiel durch die Anschlussfugen, Deckenbalken- Putz-Mauerwerk im Bereich des Auflagers nach außen hin ab. Folglich ist hier ein Potenzial für Fäulnis und Feuchtigkeit gegeben. Über einige Jahre aufgestaut führt dies zur Auflagerabfaulung bzw. Auflagerschwächungen der Holzbalken, die dann letztendlich zu einem Bauschaden führen, so dass Wohnungen nicht mehr benutzt werden können und gegebenenfalls Gefahr für Leib und Leben besteht.
Vorgenannte Kriterien konnte ich letztlich in einer internationalen Gutachterkonferenz in der Schweiz mit anderen Kollegen aus Europa diskutieren. Die Meinung und die Erfahrung der Kollegen beschreiben ähnliche Folgeschäden aus der modernen Teilsanierung. Wir konnten bei diesem Seminar auch in Laborversuchen vorgenannte Kriterien simuliert verfolgen.
Um weitere Schäden für Häuser und auch letztendlich volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden, besteht hier eine hohe Aufklärungspflicht, wozu Sie als Zeitung selbstverständlich in Verbindung mit dem Zimmererhandwerk beitragen können, um zukünftige Sanierer auf diese Konsequenzen eventuell hinzuweisen und die Folgen bauphysikalisch dar zu stellen.
Hierzu stehe ich Ihnen gerne bei weiteren Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Rolf Hoffmann, Bausachverständiger
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